1. Berufung Abrahams – Gott beginnt außerhalb religiöser Strukturen
Abraham lebt in Ur und Haran, also außerhalb des späteren „heiligen Landes“.
Gott ruft ihn dort heraus, ohne Tempel, ohne Gesetz, ohne Opferkult.
Der Anfang der Heilsgeschichte geschieht außerhalb jeder religiösen Institution.
2. Verheißung ohne Besitz – Leben im Vertrauen
Apostelgeschichte 7:5–8 / 1. Mose 15:13–16; 1. Mose 17:9–14
Abraham erhält die Zusage des Landes, besitzt aber zu Lebzeiten keinen Quadratmeter davon.
Gott schließt dennoch einen Bund mit ihm.
Der Glaube steht vor Besitz, Gesetz und sichtbarer Erfüllung.
3. Josef – von Brüdern verworfen, von Gott gebraucht
Apostelgeschichte 7:9–16 / 1. Mose 37; 39–50
Josef wird aus Neid von seinen Brüdern verkauft.
In Ägypten wirkt Gott trotz Unrecht, Gefangenschaft und Fremdherrschaft.
Am Ende rettet Josef genau die Familie, die ihn verworfen hat.
4. Mose – Bewahrung und Vorbereitung
Apostelgeschichte 7:17–22 / 2. Mose 1–2
Israel wächst in Ägypten, wird unterdrückt.
Mose wird trotz Kindermord gerettet und wächst am Hof des Pharaos auf.
Gott bereitet den Befreier im Feindesland vor.
5. Mose – erster Befreiungsversuch scheitert
Apostelgeschichte 7:23–29 / 2. Mose 2:11–15
Mose versucht aus eigener Kraft einzugreifen.
Sein eigenes Volk weist ihn zurück: „Wer hat dich zum Richter gemacht?“
Mose flieht. Der von Gott bestimmte Retter wird zuerst abgelehnt.
6. Berufung am brennenden Dornbusch
Apostelgeschichte 7:30–34 / 2. Mose 3:1–10
Nach vierzig Jahren in der Wüste begegnet Gott Mose.
Nicht im Palast, nicht im Tempel, sondern in der Einsamkeit.
Gott offenbart sich und sendet Mose nun mit göttlicher Autorität.
7. Mose als Erlöser Israels
Apostelgeschichte 7:35–36 / 2. Mose 3; 7–14
Der zuvor abgelehnte Mose wird von Gott bestätigt.
Durch Zeichen, Plagen und den Durchzug durch das Meer befreit Gott sein Volk.
Rettung geschieht durch Gottes Eingreifen, nicht durch menschliche Anerkennung.
8. Mose kündigt einen weiteren Propheten an
Apostelgeschichte 7:37 / 5. Mose 18:15
Mose selbst weist über sich hinaus.
Er kündigt einen Propheten an, dem das Volk künftig gehorchen soll.
Damit wird klar: Mose ist nicht das letzte Wort.
9. Das Volk wendet sich ab
Apostelgeschichte 7:39–41 / 2. Mose 32:1–6
Während Mose auf dem Berg ist, macht sich das Volk ein goldenes Kalb.
Sie wollen einen sichtbaren Gott und kehren innerlich nach Ägypten zurück.
Gottes Retter wird verworfen, Götzendienst tritt an seine Stelle.
10. Gericht über anhaltenden Ungehorsam
Apostelgeschichte 7:42–43 / Amos 5:25–27
Gott lässt Israel zeitweise seinen eigenen Wegen folgen.
Der Götzendienst führt langfristig ins Gericht und ins Exil.
Religiöse Rituale ersetzen keinen Gehorsam.
11. Die Stiftshütte – Gott geht mit
Apostelgeschichte 7:44–45 / 2. Mose 25; 40
Die Stiftshütte ist beweglich.
Gott begleitet sein Volk durch die Wüste und ins Land.
Seine Gegenwart ist nicht an einen festen Ort gebunden.
12. Der Tempel Salomos
Apostelgeschichte 7:46–47 / 2. Samuel 7; 1. Könige 6
David plant den Tempel, Salomo baut ihn.
Der Tempel ist erlaubt, aber nie als Begrenzung Gottes gedacht.
Er ist Ausdruck der Verehrung, nicht Gottes Wohnadresse.
13. Gott wohnt nicht in Gebäuden
Apostelgeschichte 7:48–50 / Jesaja 66:1–2
Gott selbst erklärt: Himmel und Erde sind sein Werk.
Kein Bauwerk kann ihn fassen.
Der Mensch wird zum entscheidenden Ort der Begegnung.
14. Direkte Anklage des Hohen Rates
Apostelgeschichte 7:51–53 / 2. Chronik 36:15–16
Stephanus zieht die Linie bis in die Gegenwart.
Der Hohe Rat steht in der Tradition derer, die Gottes Boten ablehnen.
Gesetz und Propheten werden geehrt, aber nicht befolgt.
Gesamtaussage von Stephanus
Stephanus hält keine Verteidigungsrede, sondern legt die Geschichte Israels offen, um den Kern des Problems sichtbar zu machen. Gott hat von Anfang an frei gehandelt, unabhängig von Orten, Gebäuden oder religiösen Systemen. Er hat Abraham berufen, bevor es Gesetz, Tempel oder Opferdienst gab. Glaube bedeutete von Beginn an Vertrauen in Gottes Zusagen, nicht Absicherung durch äußere Strukturen.
An Josef und Mose zeigt Stephanus ein wiederkehrendes Muster: Die von Gott gesandten Retter werden zunächst abgelehnt, später aber von Gott bestätigt und gebraucht. Josef wird von seinen Brüdern verworfen und wird dennoch zu ihrem Retter. Mose wird vom Volk zurückgewiesen, obwohl er von Gott berufen ist. Dieses Verhalten ist kein Zufall, sondern zieht sich durch die ganze Geschichte Israels.
Das Volk reagiert immer wieder mit Widerstand auf Gottes Reden. Statt Vertrauen wählt es sichtbare Sicherheiten, etwa im Götzendienst. Selbst während Gott durch Mose handelt, wendet sich Israel innerlich ab. Stephanus macht deutlich: Das eigentliche Problem ist nicht Unwissen, sondern Herzensverhärtung.
Auch der Tempel wird richtig eingeordnet. Stephanus greift ihn nicht an, aber er entzieht ihm seine Absolutheit. Gott ist nicht an Gebäude gebunden. Schon die Propheten bezeugen, dass Himmel und Erde sein Werk sind. Wer meint, Gott durch religiöse Formen festzuhalten, verkennt sein Wesen.
Am Ende richtet sich die Rede direkt an den Hohen Rat. Stephanus zeigt, dass sie in der Linie derer stehen, die Gottes Boten abgelehnt haben. Die Ablehnung Jesu ist keine Ausnahme, sondern die Fortsetzung eines bekannten Musters. Gesetz und Tradition werden geehrt, aber Gottes Wirken wird zurückgewiesen.
Die Gesamtaussage ist klar: Gott ist souverän und frei. Er handelt jenseits menschlicher Kontrolle. Entscheidend ist nicht religiöse Zugehörigkeit, sondern Gehorsam gegenüber dem, was Gott tut. Wer sich diesem Handeln verschließt, stellt sich gegen Gott selbst.