Stille Zeit mit Gott
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Die ewige Jugend

Plötzlich wirst du morgens wach und stellst fest, dass schon viele Jahre vergangen sind. Du bist nicht mehr fünfzehn Jahre jung. Auch nicht mehr fünfunddreißig. Sondern dreiundfünfzig. Verheiratet. Die Kinder sind groß. Die Jugend ist vorbei.

In dem Traum, den ich eben hatte, begegnete ich einem Mädchen, mit dem ich ins Gespräch kam. Ich fragte sie, ob sie bald heiraten möchte. Sie schaute mich verdutzt an und sagte: Nein, aktuell nicht. Ich wohne noch bei meinen Eltern, und wir sind zufrieden so.

Daraufhin fragte ich sie: Aber du hast doch in all den Jahren in deinem Job so viel Geld verdient. Du könntest dir doch sicher ein schönes Haus kaufen, mit einem Mann eine Familie gründen und glücklich sein.

In meinem Traum konnte ich nicht verstehen, dass sie diesen Schritt nicht gewagt hatte, zumal sie ein sehr hübsches Mädchen aus meiner Jugendzeit gewesen ist.

Als ich aufwachte, dachte ich noch einen Moment über sie nach. Dann fiel mir auf, dass sie genau das getan hatte. Im realen Leben ist sie heute verheiratet, trägt einen anderen Namen, hat einen lieben Mann und zwei Kinder. Verrückt.

Es soll nicht so klingen, als sei dieser Weg der einzig wahre. Der Traum hat mich einfach nachdenklich gestimmt, weil auch ich viele dieser Lebensstationen bereits durchlaufen habe.

Es mag komisch klingen, doch tief in meinem Herzen bin ich jung geblieben. Nennen wir es ruhig die ewige Jugend.

Heute bin ich Familienvater. Ich habe bereits Silberhochzeit gefeiert, und die Kinder sind groß und ausgezogen. Manchmal kommen sie noch vorbei, und das ist sehr schön. Die eine mit der Bahn, der andere mit dem Auto und seiner Freundin.

Ich musste auch sehr schmunzeln, als ich neulich einen Freund von früher besuchte. Früher trafen wir uns oft. Dieses Mal war es im Grunde nicht viel anders. Wir bestellten wieder Pizza, spielten etwas, saßen gemeinsam auf dem Sofa und erzählten. Mit dem feinen Unterschied, dass über dreißig Jahre vergangen sind.

Ich bin sehr dankbar dafür. Viele Lebensstationen waren nicht einfach. Gemeinsam mit meiner Frau konnte ich diese Hürden meistern. Heute gehe ich oft mit meiner Frau tanzen. Ich blicke ihr dann in die Augen und sehe, wie glücklich sie an meiner Seite ist.

Hier und da entdecken wir graue Haare an uns. Damals war alles am Anfang. Diese Zeit ist vorbei. Es stimmt mich etwas traurig, dass meine Jugendzeit vergangen ist. Gerne würde ich mit den Wegbegleitern von damals noch einmal sprechen. Hören und sehen, wie es ihnen ergangen ist. Ob sie auch glücklich sind.

Zu einigen habe ich heute noch Kontakt. Es ist einfacher geworden, einfach mal zu schreiben. Ein kurzes Hallo. Gemeinsam lachen. Denn wir haben heute alle unsere Familien – und unsere grauen Haare davongetragen.

Manche Wegbegleiter sind auch schon heimgegangen. Ich bin sehr dankbar, dass wir alle von der rettenden Botschaft gehört haben und uns eines Tages wieder in die Arme laufen werden, als Freunde und als Geschwister.

Dort wird es nicht mehr von Bedeutung sein, ob man verheiratet war oder wessen Mann oder Frau man gewesen ist. Entscheidend wird sein, dass man beim Vater angekommen ist.

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