Das Leviratsrecht ist ein altes jüdisches Gesetz, das in der Tora beschrieben wird. Es besagt, dass wenn ein Mann stirbt, ohne einen Sohn zu hinterlassen, sein Bruder oder nächster männlicher Verwandter die Witwe heiraten soll. Der erste Sohn, der aus dieser Ehe geboren wird, wird dann als Nachkomme des verstorbenen Mannes angesehen und erbt dessen Besitz und Namen. Dieses Gesetz sollte das Andenken und Erbe des Verstorbenen bewahren und gleichzeitig die Versorgung der Witwe sicherstellen.
Das Leviratsrecht wird im Buch Deuteronomium (5. Mose 25,5-10) beschrieben und spielte in der jüdischen Gesellschaft eine wichtige Rolle, insbesondere in einer Zeit, in der das Familienerbe und der Fortbestand des Namens von großer Bedeutung waren.
In der Geschichte von Ruth (im Buch Ruth des Alten Testaments) wird das Leviratsrecht thematisiert. Als Ruths Ehemann stirbt, wird Boas als ein möglicher „Löser“ (Goel) vorgestellt, der das Erbe und die Verantwortung für Ruth übernehmen könnte. Ein näherer Verwandter hätte jedoch das erste Recht, diese Rolle zu übernehmen, verzichtet aber darauf, wodurch Boas Ruth heiraten kann.