Geschichten zum Vorlesen

Rahel – Geliebt und geprüft unter Gottes Führung

Rahel war die Tochter Labans und die jüngere Schwester von Lea. Sie lebte mit ihrer Familie in Haran, wo ihr Vater Vieh besaß und sie selbst als Hirtin tätig war. Als Jakob auf der Flucht vor seinem Bruder Esau war und in die Gegend kam, begegnete er Rahel zum ersten Mal an einem Brunnen. Sie kam mit den Schafen ihres Vaters, um sie zu tränken. Als Jakob sie sah, bewegte sich sein Herz. Er trat hinzu, wälzte den Stein vom Brunnen und tränkte die Herde Labans. Danach küsste er Rahel und weinte laut. Er gab sich ihr zu erkennen als Verwandter, als Sohn Rebekkas. Rahel lief zu ihrem Vater und berichtete alles, und Laban nahm Jakob bei sich auf.

Jakob blieb bei Laban und arbeitete für ihn. Doch sein Herz hing an Rahel, denn sie war schön von Gestalt und von Angesicht. Jakob liebte Rahel und war bereit, für sie zu dienen. So sprach er zu Laban, dass er sieben Jahre für Rahel arbeiten wolle, damit er sie zur Frau bekomme. Laban willigte ein, und Jakob diente sieben Jahre um Rahel. Diese Zeit kam ihm kurz vor, so sehr liebte er sie. Als die Zeit erfüllt war, verlangte Jakob seine Frau. Doch Laban handelte listig. In der Nacht führte er nicht Rahel, sondern Lea zu Jakob. Und Jakob erkannte es erst am Morgen. Da wandte er sich an Laban und sprach: „Warum hast du mich betrogen?“ Laban erklärte, dass es nicht Sitte sei, die jüngere vor der älteren zu verheiraten. Doch er bot Jakob an, auch Rahel zu bekommen, wenn er weitere sieben Jahre diene. Jakob willigte ein, und so bekam er auch Rahel zur Frau, die er mehr liebte als Lea.

Doch das Leben Rahels war nicht leicht. Obwohl sie von Jakob geliebt wurde, blieb ihr der Segen der Kinder zunächst verwehrt. Lea hingegen gebar Jakob Söhne, einen nach dem anderen. Rahel sah das und wurde neidisch auf ihre Schwester. Sie sprach zu Jakob: „Schaffe mir Kinder! Wenn nicht, so sterbe ich.“ Jakob wurde zornig und antwortete: „Bin ich denn Gott, der dir Leibesfrucht versagt?“ In ihrer Not gab Rahel ihre Magd Bilha Jakob zur Frau, damit sie durch sie Kinder bekomme. Bilha gebar zwei Söhne, Dan und Naftali, und Rahel sah darin einen gewissen Ausgleich in ihrem Leid.

Doch das Verlangen nach einem eigenen Kind blieb bestehen. Während Lea weiterhin Kinder bekam, blieb Rahel in ihrem Schmerz. Sie erlebte die Spannung im Haus, die Rivalität zwischen den Schwestern, das Ringen um Anerkennung und Segen. Schließlich gedachte Gott auch an Rahel. Er erhörte sie und öffnete ihren Mutterleib. Sie wurde schwanger und gebar einen Sohn. Sie nannte ihn Josef und sprach: „Der HERR füge mir einen anderen Sohn hinzu.“ In diesem Namen lag ihre Hoffnung, dass Gott ihr weiteres Leben segnen würde.

Später machte sich Jakob mit seiner Familie auf den Weg zurück in das Land Kanaan. Rahel ging mit ihm, zusammen mit den Kindern und allem, was sie besaßen. Als sie das Haus ihres Vaters verließ, nahm Rahel heimlich die Hausgötzen ihres Vaters Laban mit. Diese Handlung zeigt, dass ihr Herz noch nicht vollständig frei war von den Dingen ihrer Herkunft. Als Laban sie verfolgte und die Götzen suchte, versteckte Rahel sie geschickt und setzte sich darauf, sodass sie nicht gefunden wurden. Gott aber schützte Jakob und seine Familie, sodass sie unversehrt weiterziehen konnten.

Auf dem Weg nach Efrata, das ist Bethlehem, kam für Rahel die Stunde ihrer zweiten Geburt. Doch diese Geburt war schwer. Während sie gebar, geriet sie in große Not. Die Hebamme sprach ihr Mut zu, doch Rahel wusste, dass ihr Leben zu Ende ging. Im Schmerz und im Sterben nannte sie ihren Sohn Ben-Oni, das heißt „Sohn meines Schmerzes“. Jakob aber nannte ihn Benjamin, „Sohn der rechten Hand“. Und Rahel starb und wurde begraben am Weg nach Efrata. Jakob errichtete auf ihrem Grab einen Stein, der dort blieb als Zeichen ihres Lebens und ihres Todes.

Rahels Leben war geprägt von Liebe und Leid, von Sehnsucht und Erfüllung, von innerem Ringen und göttlichem Eingreifen. Sie war die geliebte Frau Jakobs, doch ihr Weg war nicht frei von Schmerz. Ihr Wunsch nach Kindern, ihr Kampf mit ihrer Schwester und ihr Vertrauen auf eigene Wege zeigen ein menschliches Herz, das sucht und ringt. Und doch griff Gott ein, hörte ihr Gebet und schenkte ihr Leben. In Josef und Benjamin wurde sie zur Mutter zweier bedeutender Söhne Israels. Ihr Name blieb bestehen im Volk Gottes, und ihr Grab wurde zu einem Ort der Erinnerung an eine Frau, die geliebt war und doch durch Prüfungen gehen musste, bis Gott ihr seinen Weg zeigte.

[1. Mose 29; 1. Mose 30; 1. Mose 31; 1. Mose 35]

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