Prolog
Vor einigen Jahren wurde ich in einen Haushalt eingeladen, um eine Küche auszumessen. Das Haus war makellos. Alles wirkte gepflegt, durchdacht, geordnet. Nachdem ich mit meiner Arbeit fertig war, fiel mein Blick auf einen unangeschnittenen Kuchen auf der Arbeitsplatte. Offensichtlich frisch gebacken.
Als ich mich verabschieden wollte, bat mich der Mann des Hauses, noch einen Moment zu bleiben. Dann sagte er einen Satz, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist:
„Den Kuchen hat meine Frau nur für dich gebacken.“
Wir setzten uns an den Küchentisch. Der Kuchen sah köstlich aus. Die beiden saßen mir gegenüber. Ihre Worte waren wohlüberlegt, das Besteck frisch poliert, die Teller strahlend weiß. Kein Krümel lag daneben. Alles war perfekt – nicht nur in der Küche, sondern im ganzen Haus, bis hin zum Vorgarten.
Während ich dort saß, stellte sich ein unerwartetes Gefühl ein. Ich fühlte mich nicht passend. Nicht würdig. Meine Kleidung, mein Auftreten, mein Inneres – alles schien in diesem Moment fehl am Platz.
Als ich später im Auto saß, ließ mich dieser Eindruck nicht los. Dieses leise Unbehagen, eingeladen zu sein und sich dennoch fremd zu fühlen.
Es ist einige Jahre her. Doch mit genau diesem Spannungsfeld möchte ich nun in die Begegnung zwischen Jesus Christus und Simon einsteigen.
Wortbetrachtung:
Lukas 7:36-50
Jesu Salbung durch die Sünderin
36 Es bat ihn aber einer der Pharisäer, bei ihm zu essen. Und er ging hinein in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch. 37 Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Als die vernahm, dass er zu Tisch saß im Haus des Pharisäers, brachte sie ein Glas mit Salböl 38 und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit Salböl. 39 Als aber das der Pharisäer sah, der ihn eingeladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüsste er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin.
40 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sag es! 41 Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig. 42 Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er’s beiden. Wer von ihnen wird ihn am meisten lieben?
43 Simon antwortete und sprach: Ich denke, der, dem er am meisten geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt. 44 Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. 45 Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. 46 Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt. 47 Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. 48 Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben.
49 Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt? 50 Er aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden!