Bathseba war die Frau Urias, eines treuen Kriegers im Heer Davids. Ihr Leben geriet in den Mittelpunkt einer der schwersten Verfehlungen im Leben des Königs. Es geschah zu einer Zeit, als die Könige gewöhnlich in den Krieg zogen, doch David blieb in Jerusalem zurück. Am Abend stand er auf vom Lager und ging auf dem Dach seines Hauses umher. Von dort aus sah er eine Frau, die sich badete, und sie war sehr schön von Gestalt. David ließ nach ihr fragen und erfuhr, dass es Bathseba war, die Frau Urias, des Hetiters [1].
Trotz dieses Wissens ließ David sie holen. Sie kam zu ihm, und er lag bei ihr. Danach kehrte sie wieder in ihr Haus zurück. Doch wenig später ließ Bathseba David ausrichten, dass sie schwanger geworden war. In diesem Moment begann David, seine Schuld zu verbergen. Er ließ Uria vom Schlachtfeld zurückrufen, in der Hoffnung, dass er zu seiner Frau gehen würde und die Schwangerschaft nicht auffallen würde. Doch Uria zeigte große Treue und blieb bei den Knechten seines Herrn, weil er es nicht für richtig hielt, in sein Haus zu gehen, während die Lade Gottes und das Heer im Feld lag [1].
Als Davids Plan nicht aufging, griff er zu einem noch schwereren Mittel. Er schrieb einen Brief an Joab, den Heerführer, und gab ihn Uria selbst mit. In diesem Brief befahl er, Uria in die vorderste Reihe des Kampfes zu stellen und sich dann von ihm zurückzuziehen, damit er erschlagen werde. Joab führte diesen Befehl aus, und Uria fiel im Kampf. So wurde aus Ehebruch auch Mord [1].
Als Bathseba hörte, dass ihr Mann gestorben war, hielt sie die übliche Trauer. Danach ließ David sie in sein Haus holen, und sie wurde seine Frau und gebar ihm einen Sohn. Doch das, was David getan hatte, missfiel dem Herrn. Gott sah die verborgene Schuld und ließ sie nicht unangesprochen [1].
Der Herr sandte den Propheten Nathan zu David. Nathan erzählte ihm ein Gleichnis von einem reichen Mann, der viele Schafe hatte, und einem armen Mann, der nur ein einziges kleines Lamm besaß, das er liebte wie ein Kind. Der reiche Mann nahm das Lamm des Armen, um es für einen Gast zuzubereiten. David wurde zornig über dieses Unrecht und sprach, dass dieser Mann des Todes sei. Da sagte Nathan zu ihm: „Du bist der Mann!“ In diesem Moment wurde Davids Schuld offenbar. Nathan sprach das Gericht Gottes aus: Das Schwert sollte nicht von seinem Haus weichen, und das Kind, das geboren worden war, würde sterben [2].
David erkannte seine Schuld und bekannte: „Ich habe gegen den HERRN gesündigt.“ Und obwohl Gott ihm die Schuld vergab, blieb die Folge bestehen. Das Kind wurde krank, und David fastete und betete für sein Leben. Er lag auf der Erde und suchte Gottes Gnade. Doch am siebten Tag starb das Kind. David stand auf, wusch sich, ging in das Haus des Herrn und betete. Danach kehrte er zurück und nahm wieder Nahrung zu sich. Er erkannte, dass Gottes Entscheidung feststand [2].
Später tröstete David Bathseba, und sie gebar einen weiteren Sohn. Diesem gab er den Namen Salomo. Und der Herr liebte das Kind. Durch den Propheten Nathan ließ Gott ihm sogar einen weiteren Namen geben: Jedidja, das heißt „Liebling des Herrn“. So wurde aus einer Geschichte voller Schuld und Schmerz doch ein neuer Anfang unter Gottes Gnade [2].
Bathseba blieb nicht nur eine Randfigur. Sie spielte später auch eine entscheidende Rolle, als es um die Thronfolge ging. Als Adonija sich selbst zum König machen wollte, erinnerte sie David an sein Versprechen, dass Salomo König werden sollte. Sie trat vor den König und sprach für ihren Sohn. Zusammen mit dem Propheten Nathan sorgte sie dafür, dass Salomo als rechtmäßiger König eingesetzt wurde. So wurde sie zur Mutter eines Königs, durch den Gott weiter handelte [3].
Bathsebas Geschichte ist eng mit Schuld, Leid und Gottes Eingreifen verbunden. Sie zeigt, wie tief ein Mensch fallen kann, selbst wenn er von Gott erwählt ist. Gleichzeitig zeigt sie, dass Gottes Gnade selbst dort nicht endet, wo schwere Schuld geschehen ist. Aus einer zerbrochenen Situation entsteht neues Leben, und Gottes Plan geht weiter. Bathseba wird später sogar im Stammbaum Jesu erwähnt. Damit wird deutlich: Gott schreibt seine Geschichte nicht mit perfekten Menschen, sondern mit solchen, die schuldig werden und seine Gnade erfahren [4].
[1: 2. Samuel 11:1-27] [2: 2. Samuel 12:1-25] [3: 1. Könige 1:11-30] [4: Matthäus 1:6]