Das Gesetz in der Bibel ist der Ausdruck von Gottes Willen für das Leben des Menschen. Es wurde dem Volk Israel durch Mose gegeben und umfasst Gebote, Ordnungen und Weisungen, die das Leben vor Gott und untereinander regeln sollten. Als Gott Israel aus Ägypten führte, schloss er mit ihnen einen Bund und gab ihnen am Berg Sinai sein Gesetz. Dabei standen die Zehn Gebote im Zentrum, die grundlegende Maßstäbe für das Verhältnis zu Gott und zu den Mitmenschen festlegten [1].
Das Gesetz zeigte dem Volk, wie ein Leben in Gottes Ordnung aussehen sollte. Es regelte nicht nur den Gottesdienst, sondern auch den Alltag, das Zusammenleben, Recht und Gerechtigkeit. Es machte deutlich, dass Gott heilig ist und dass auch sein Volk in Heiligkeit leben sollte. Doch gleichzeitig zeigte das Gesetz auch die Grenze des Menschen. Es offenbarte nicht nur, was richtig ist, sondern auch, wie sehr der Mensch dazu neigt, davon abzuweichen [2].
Schon früh wurde sichtbar, dass das Volk das Gesetz nicht vollkommen halten konnte. Immer wieder kam es zu Ungehorsam, Abfall und Versagen. Dadurch wurde deutlich, dass das Gesetz zwar gut und richtig ist, aber den Menschen nicht aus eigener Kraft gerecht machen kann. Es zeigt den Maßstab, aber es gibt nicht die Kraft, ihn zu erfüllen. So wird das Gesetz zu einem Spiegel, der die Sünde sichtbar macht [3].
Im Neuen Testament wird dieser Gedanke weitergeführt. Paulus schreibt, dass durch das Gesetz die Erkenntnis der Sünde kommt. Der Mensch erkennt durch die Gebote, was falsch ist, und wird dadurch seiner eigenen Schuld bewusst. Ohne das Gesetz wäre die Sünde nicht in dieser Klarheit erkannt worden. Doch das Gesetz selbst kann den Menschen nicht retten, sondern macht deutlich, dass er Rettung braucht [4].
Jesus trat nicht auf, um das Gesetz abzuschaffen, sondern um es zu erfüllen. Er sagte, dass er nicht gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, sondern sie zu erfüllen. In seinem Leben wurde sichtbar, was es bedeutet, vollkommen nach Gottes Willen zu leben. Er lebte ohne Sünde und erfüllte damit den Maßstab, den das Gesetz fordert [5].
Gleichzeitig zeigte Jesus, dass es im Gesetz nicht nur um äußere Handlungen geht, sondern um das Herz. Er machte deutlich, dass schon Gedanken, Einstellungen und innere Haltungen vor Gott Bedeutung haben. So führte er das Verständnis des Gesetzes tiefer und zeigte, dass wahre Gerechtigkeit nicht nur äußerlich, sondern innerlich beginnt [5].
Durch Jesus verändert sich die Rolle des Gesetzes für den Menschen. Paulus beschreibt, dass das Gesetz ein Zuchtmeister war, der auf Christus hinweist. Es sollte den Menschen dahin führen, zu erkennen, dass er aus eigener Kraft nicht gerecht werden kann und dass er auf Gnade angewiesen ist. Mit dem Glauben an Jesus tritt der Mensch in eine neue Beziehung zu Gott ein, die nicht mehr auf dem Halten des Gesetzes basiert, sondern auf Vertrauen und Gnade [6].
Das bedeutet jedoch nicht, dass das Gesetz bedeutungslos wird. Es bleibt Ausdruck von Gottes Willen und zeigt, was gut und richtig ist. Doch es ist nicht mehr der Weg zur Rettung. Diese geschieht allein durch den Glauben. Der Mensch wird nicht durch Werke des Gesetzes gerecht, sondern durch den Glauben an Jesus Christus. Dadurch wird deutlich, dass das Gesetz seine Erfüllung in ihm findet [7].
So zeigt die Bibel das Gesetz in mehreren Dimensionen: als Maßstab Gottes, als Spiegel der Sünde, als Wegweiser und als Hinführung zu Christus. Es macht deutlich, dass der Mensch Gottes Maßstäbe nicht aus eigener Kraft erfüllen kann und dass er auf Gottes Gnade angewiesen ist. Gleichzeitig zeigt es, wie ein Leben aussehen soll, das sich an Gott orientiert. Und so steht am Ende nicht das Gesetz allein, sondern die Erfüllung in Jesus, durch den der Mensch in eine neue Beziehung zu Gott treten kann [1][2][3][4][5][6][7].
[1: 2. Mose 20:1-17] [2: 3. Mose 19:2] [3: 5. Mose 31:16-18] [4: Römer 3:20] [5: Matthäus 5:17-22] [6: Galater 3:24-25] [7: Römer 3:28]