Jonathan war der Sohn von Saul, dem ersten König Israels, und damit selbst der rechtmäßige Thronfolger. David hingegen war ein junger Mann, ein Hirte aus Bethlehem, den Gott erwählt hatte, ohne dass es die meisten wussten. Als David den Philister Goliath besiegte und damit Israel rettete, wurde er im ganzen Volk bekannt. Doch während viele nur den Sieg sahen, geschah etwas Tieferes im Herzen Jonathans. Als David vor Saul stand und von seinem Sieg berichtete, verband sich das Herz Jonathans mit dem Davids, und er gewann ihn lieb wie sein eigenes Herz [1].
Diese Liebe blieb nicht nur ein Gefühl, sondern wurde zu einem Bund. Jonathan schloss einen Bund mit David, weil er ihn liebte wie sich selbst. Er legte seinen Mantel ab und gab ihn David, ebenso seine Rüstung, sein Schwert, seinen Bogen und seinen Gürtel. Damit gab er nicht nur persönliche Dinge weiter, sondern ein Stück seiner eigenen Stellung. Der Sohn des Königs erkannte etwas in David, das von Gott war, und stellte sich nicht gegen ihn, sondern an seine Seite [1].
Während David weiter im Volk an Ansehen gewann, wuchs im Herzen Sauls Neid und Zorn. Als die Frauen sangen: „Saul hat tausend erschlagen, David aber zehntausend“, wurde Saul eifersüchtig. Von diesem Tag an sah er David mit Misstrauen an. Schließlich begann er sogar, ihn zu verfolgen und suchte nach Gelegenheiten, ihn zu töten [2]. In dieser Situation wurde die Freundschaft zwischen Jonathan und David auf die Probe gestellt.
Jonathan stand zwischen zwei Seiten: seinem Vater, dem König, und seinem Freund David. Doch er entschied sich für das, was recht war vor Gott. Er sprach mit Saul und setzte sich für David ein. Er erinnerte ihn daran, dass David ihm treu gedient hatte und dass es keinen Grund gab, ihn zu töten. Für einen Moment hörte Saul auf Jonathan und schwor, David nicht zu töten. Doch dieser Friede hielt nicht lange [3].
Als Saul erneut versuchte, David zu töten, musste David fliehen. In dieser Zeit trafen sich Jonathan und David heimlich. Sie suchten nach Klarheit darüber, ob Saul wirklich den Tod Davids wollte. Jonathan versprach, die Wahrheit herauszufinden, und sie vereinbarten ein Zeichen mit Pfeilen, um David zu warnen oder ihm Entwarnung zu geben. Jonathan blieb seinem Wort treu. Als er erkannte, dass sein Vater fest entschlossen war, David zu töten, gab er das vereinbarte Zeichen, damit David wusste, dass er fliehen musste [4].
Nach diesem Zeichen trafen sich die beiden noch einmal. David trat aus seinem Versteck hervor, und sie fielen sich um den Hals und weinten miteinander. Ihre Trennung war schmerzhaft, doch sie hielten an ihrem Bund fest. Jonathan sprach zu David, dass der Herr zwischen ihnen stehe, zwischen ihren Nachkommen und für immer. Trotz der Trennung blieb ihre Verbindung bestehen, getragen von Treue und Vertrauen [4].
Auch später, als David auf der Flucht war und sich in großer Not befand, kam Jonathan noch einmal zu ihm. Er suchte ihn auf und stärkte ihn in Gott. Er sagte zu ihm: „Fürchte dich nicht; die Hand meines Vaters Saul wird dich nicht finden. Du wirst König über Israel werden, und ich werde der Zweite nach dir sein.“ Jonathan erkannte Gottes Plan für Davids Leben und stellte sich bewusst darunter, obwohl es bedeutete, dass er selbst nicht König werden würde [5].
Das letzte Kapitel ihrer gemeinsamen Geschichte endet nicht mit einem Abschied, sondern mit einem Verlust. Jonathan fiel im Kampf zusammen mit seinem Vater Saul gegen die Philister. Als David davon erfuhr, trauerte er tief. Er klagte über Saul und besonders über Jonathan. Er sprach davon, wie sehr er ihn liebte und wie wunderbar ihre Freundschaft gewesen war, mehr als die Liebe von Frauen. Sein Schmerz war ehrlich und tief, denn er hatte nicht nur einen Freund verloren, sondern einen Menschen, der ihm treu zur Seite gestanden hatte [6].
Die Geschichte von Jonathan und David zeigt eine Freundschaft, die nicht auf Vorteil, sondern auf Wahrheit gegründet war. Jonathan hätte David als Bedrohung sehen können, doch er erkannte Gottes Hand und stellte sich nicht dagegen. Er hielt an David fest, auch als es ihn selbst etwas kostete. Ihre Beziehung ist ein Bild für echte Treue, für ein Herz, das nicht sich selbst sucht, sondern das, was vor Gott richtig ist. Und so bleibt ihre Freundschaft ein starkes Zeugnis dafür, wie Menschen miteinander umgehen können, wenn sie Gott über alles stellen [1][2][3][4][5][6].
[1: 1. Samuel 18:1-4] [2: 1. Samuel 18:6-9] [3: 1. Samuel 19:1-6] [4: 1. Samuel 20:1-42] [5: 1. Samuel 23:15-18] [6: 2. Samuel 1:26]